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Von einer, die auszog, Sklavin zu werden - Teil 7

 

So allmählich biegt Elenas Geschichte auf die Zielgerade ein. Für diejenigen, die an ihrem Schicksal weiterhin Anteil nehmen, hält dieses Kapitel wieder Zumutungen bereit; das versöhnlichere nächste Kapitel habe ich leider nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten fertig bekommen, um es auf den Gabentisch zu legen. Trotzdem wünsche ich ein frohes Fest!

Markiert

Die Zuschauer brachen in Gelächter und spontanen Applaus aus, in welchem sich die beinahe greifbare Anspannung löste beziehungsweise mit dem sie Elenas ausgesprochenen Schneid würdigten, ohne ihre unausgesprochene Panik zu bemerken. Nichtsdestotrotz stärkte ihr naiver Enthusiasmus Elena den Rücken.

„Dein Wunsch ist mir Befehl.“ Alex machte eine kleine Verbeugung in ihre Richtung, dann wandte er sich wieder an die Zuschauer.

„Für den finalen Schritt ihrer Verwandlung vertraue ich Elena den bewährten Händen von Dr. Gregory Lowry an. Sie alle kennen ihn als hochgeachteten Schönheitschirurgen, obwohl nur wenige von ihnen zugeben werden, bereits eigene Erfahrungen mit seinem Können gesammelt zu haben.“

Das sparsame Gelächter klang diesmal etwas gequält, aber Alex fuhr ungerührt fort.

„Jedenfalls dürfte den wenigsten von ihnen bekannt sein, dass er sich seit jüngster Zeit auch als Fachmann für Körpermodifikationen praktisch betätigt und besonders in der Kunst des Brandings bewandert ist. Bitte heißen sie Dr. Lowry herzlich willkommen!“

Unter freundlichem Applaus erhob sich Greg von seinem Platz in der ersten Reihe und erklomm die Bühne, um Alex die Hand zu schütteln, während Elena, vor Angst gelähmt, stocksteif daneben stand. Aus irgendeinem Grund war sie davon überzeugt gewesen, ein geschmackvolles Tattoo zu bekommen, und nicht wie ein Nutztier gebrandmarkt zu werden. Visionen von einem rot glühenden Brandeisen, das sich langsam ihrer makellosen Haut näherte, erschienen ungebeten vor ihrem inneren Auge und in ihrer lebhaften Einbildung glaubte sie, seine sengende Hitze bereits spüren zu können. Ihr Herz klopfte wie wild, während sie ihr sympathisches Nervensystem auf Angriff oder Flucht vorbereitete, obwohl keines von beidem die optimale Reaktion zu sein schien. In den Mix widersprüchlicher Emotionen schlich sich ein verräterisches Element ein, das zunehmend die Oberhand über ihre Panik gewann. Zu ihrer Bestürzung musste sie feststellen, dass sie auf einer Ebene, die sich ihrer bewussten Kontrolle entzog, tatsächlich gebrandmarkt werden wollte.

Zwischenzeitlich hatte Alex die Begrüßung Dr. Lowrys beendet und ihm die Bühne überlassen. Als Greg ihren Namen erwähnte, begann seine ruhige Stimme in ihre wirbelnden Gedanken zu dringen.

„Obwohl es sich - technisch gesehen - bei der Prozedur, die ich bei Elena vornehmen werde, um eine Form des Brandings handelt, bevorzuge ich den Begriff Skarifizierung. 'Branding' tendiert dazu, alle möglichen falschen Konnotationen zu transportieren“, erklärte er herablassend.

Elena grübelte kurz darüber nach, was Greg mit dieser Bemerkung bezweckte. Wollte er ihre Befürchtung zerstreuen, beim Brandmarken handele es sich um eine Art mittelalterlicher Folter, die brennende Kohlen und glühende Eisen involvierte? Oder wollte er seine Kunstfertigkeit von dem vermeintlich simplen Handwerk abgrenzen, das Cowboys bei ihren Rindern vollzogen? Aufmerksam verfolgte sie, wie er die Abdeckung der Apparatur entfernte, die sie zuvor im hinteren Teil der Bühne bemerkt hatte. Auf den ersten Blick handelte es sich um einem Behandlungsstuhl mit einer ungewöhnlichen, metallischen Polsterung, an dem einige medizinische Gerätschaften angebracht waren. Greg deutete auf einen schlichten, grauen Kasten mit einem abgeschrägten Bedienpanel.

„Hier haben wir ein leistungsstarkes Elektrochirurgiegerät. Es generiert einen hochfrequenten Wechselstrom, der augenblicklich die Haut verdampft, die mit dieser Elektrode in Kontakt kommt.“

Er hob ein wie ein Stift geformtes Handstück hoch, das über ein Kabel mit dem Gerät verbunden war.

„Der Vorteil gegenüber traditionellen Branding-Techniken ist, dass bei diesem Verfahren das umliegende Gewebe weniger in Mitleidenschaft gezogen und daher eine viel klarer definierte Narbe erzeugt wird. Außerdem werden sowohl der begleitende Schmerz reduziert wie auch die Heilungsphase beträchtlich verkürzt; selbstverständlich ist das entstehende Brandzeichen aber genauso dauerhaft wie ein auf herkömmlichem Wege erzeugtes.“

Er trat zur Seite und lud Elena mit einer Geste ein, sich auf dem Behandlungsstuhl niederzulassen.

„Es kann gleich losgehen, wenn du bereit bist.“

„Bist du bereit, Elena?“, ergriff Alex wieder das Wort. „Bist du bereit, dir Viktors Zeichen in die Haut brennen zu lassen und damit uneingeschränkt seine Sklavin zu werden, alle deine Rechte aufzugeben und deine weitere Existenz von seinem Wohlwollen abhängig zu machen? Wenn das dein Wille ist, so bekenne es jetzt laut und klar!“

Der Augenblick der Wahrheit war gekommen. Obwohl reichlich Gelegenheit zur Vorbereitung gewesen war, fiel es Elena jetzt, wo der Moment, ab dem es kein Zurück mehr geben würde, endlich gekommen war, unendlich schwer, die Worte auszusprechen, die sie zu einem Leben in Sklaverei verdammen würden. Sie sehnte sich nach Viktors ermutigender Gegenwart, seinem ermunternden Lächeln oder überhaupt einem Zeichen, dass er ihr Opfer zu würdigen wusste; irgendetwas, das ihr helfen würde, diesen Akt absoluten Vertrauens zu vollziehen. Und Vertrauen war bitter notwendig: Elena wurde plötzlich bewusst, dass Viktor zu keiner Zeit versprochen hatte, ihre Beziehung da wieder aufzunehmen, wo sie gewesen waren, bevor sie ihn verlassen hatte - wenn auch mit ungleich größerer Verbindlichkeit. Sie hatte lediglich von ihrem eigenen Verständnis ihrer stillschweigenden Übereinkunft ausgehend angenommen, dass dies der Fall sein würde. Nichts konnte ihn aber daran hindern, sich noch weitere Sklavinnen zu nehmen oder eine passende, „gesellschaftsfähige“ Frau zu suchen, mit der er in der Öffentlichkeit auftreten konnte, womit Elena auf den Status eines Spielzeugs herabgestuft würde, das Viktor nur dann aus seinen Käfig holte, wenn es ihm passte.

Und dann kam ihr ein noch viel schrecklicherer Gedanke: Was wäre, wenn Viktor überhaupt nicht vor hatte, sie wieder zu sich zu nehmen, und es sich bei allem, was sie seinetwegen ertragen hatte, um nichts als einen perfiden Racheplan für ihre Untreue handelte? Sobald sie diesen Verdacht einmal formuliert hatte, war es schwer, ihn wieder zu unterdrücken, obwohl sie wusste, dass er falsch war. Oder doch nicht? Sie hatte Viktor seit fast acht Monaten weder gesehen noch gesprochen und nach der ganzen, langen Zeit begann Elena, an ihrem Gedächtnis zu zweifeln. Vielleicht entsprach ihre Erinnerung an Viktor nicht so sehr der Realität, sondern vielmehr einem idealisierten Wunschbild, das sie unbedingt für wahr halten wollte?

Nichtsdestotrotz, eine Sache wusste Elena mit absoluter Sicherheit: wie sie sich in diesem Augenblick fühlte. Ihr Herz hämmerte wild in ihrer Brust, ihre Wangen waren gerötet und Adrenalin kreiste durch ihre Adern. Sie benötigte keine zusätzlichen Beweise in Form ihrer harten Brustwarzen, ihrer angeschwollenen Labien oder der Nässe in ihrem Schritt, um zu wissen, dass ihre Beinahe-Panik mit mindestens ebenso großen Teilen Erregung durchsetzt war. Obwohl die hinter ihr liegenden, langen Wochen ihrer schrittweisen Verwandlung außerordentlich hart für sie gewesen waren, konnte sie nicht leugnen, dass sie sich zugleich lebendiger als jemals zuvor in ihrem Leben gefühlt hatte. Und obwohl sie mehr als einmal über die Grenzen dessen hinaus beansprucht worden war, was sie bis dahin ertragen zu können geglaubt hatte, war sie jedes Mal eines Besseren belehrt worden. Sie zerbrach nicht an Viktors Zumutungen, sondern wuchs an ihnen, indem sie Reservoirs innerer Stärke anzapfte, von deren Existenz sie vorher nichts geahnt hatte.

Die Zeit schien wie im Flug zu vergehen, während Elena nur dastand und über die Wahl nachdachte, vor die sie gestellt war. Ihr Augenblick der Unentschlossenheit dehnte sich zu einer langen Minute. Allmählich wurde das Publikum unruhig, bis plötzlich die Stimmung kippte. Sobald ihr Entschluss nicht länger eine ausgemachte Sache zu sein schien, lag auf einmal eine gewisse Spannung in der Luft. Wie Haie, die Blut im Wasser witterten, steigerten sich die anwesenden Herrinnen und Herren in einen Beuterausch hinein, als ihnen aufging, dass hier möglicherweise bald eine außerordentlich attraktive und nahezu tabulose Sklavin zu haben sein würde.

„Nun?“

Alex' sachliche Stimme holte Elena ins Hier und Jetzt zurück. Als sie sich umschaute, registrierte sie die hungrigen Blicke, mit denen sie angestarrt wurde, und erkannte sofort in ihrem Zögern den Auslöser dafür. Wenn Viktor ihre öffentliche Unterwerfung als ultimate Demütigung geplant hatte, war er einer fatalen Fehleinschätzung erlegen. Das beinahe körperlich greifbare Begehren, das von den Zuschauern ausging, war berauschend und trieb ihr Selbstbewusstsein in beispiellose Höhen. Elena spürte die Macht, die sie über ihre Bewunderer ausübte, welche sich ihrem ungeheuren sexuellen Magnetismus nicht entziehen konnten. Sie war sich sicher, dass jeder von ihnen für die Chance, sie als Sklavin zu gewinnen, buchstäblich alles tun würde; sie würde ihnen lediglich noch buchstabieren müssen, was genau sie erwartete. Unbestreitbar würde sie dann - auch wenn das äußere Erscheinungsbild etwas anderes suggerieren sollte – für alle Zukunft das Sagen haben. Für einen Augenblick war sie versucht, die Kontrolle über ihr Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen und sich jedweden Wunsch von den Augen ablesen zu lassen, indem sie das „Topping from Bottom“-Spiel spielte, das sie meisterhaft beherrschte. Nur würde sie auf diese Weise niemals ihr innerstes Verlangen stillen können. Nur vorbehaltlose Unterwerfung unter einen Herrn, der gegenüber ihrem manipulativen Charme immun war, bot ihr die Aussicht auf echte Erfüllung, und bis jetzt hatte nur einer ihren Reizen zu widerstehen vermocht. Nur einer war es wert, sie ganz zu besitzen. Getragen von einer Aufwallung masochistischer Lust traf sie ihre Entscheidung.

„Iff bin bereit! Iff unterwerfe miff Viktor!“, verkündete sie mit lauter Stimme.

Mit ihm, dessen war sie sich sicher, wäre ihre Versklavung kein mühsam aufrecht erhaltenes Fantasie-Rollenspiel, sondern gelebte Wirklichkeit. Er hatte zweifellos den Willen, die Mittel und die Macht, dafür Sorge zu tragen.

„So sei es!“, besiegelte Alex ihr Schicksal.

Greg bedeutete ihr wieder, auf dem Behandlungsstuhl Platz zu nehmen, und dieses Mal folgte sie seiner stummen Einladung. Der metallische Bezug fühlte sich kalt auf ihrer nackten Haut an, als sie sich auf dem Sitz niederließ. Lisa holte eine Kiste mit medizinischem Material herbei, legte Handschuhe und Mundschutz an, zog dann einen Hocker heran und begann, einen Bereich knapp oberhalb Elenas rechter Brust - ungefähr da, wo bei einer Uniform üblicherweise das Namensschild angebracht wäre - sorgfältig zu reinigen. Unterdessen brachte Alex die Kamera heran, um näher am Geschehen zu sein, das von Greg weiterhin fortlaufend kommentiert wurde, um auch das Publikum mit einzubinden.

„Wir werden bei Elena in Kürze Verbrennungen dritten Grades hervorrufen; für den Laien ausgedrückt heißt das, tiefe Brandwunden, die alle Schichten der Dermis betreffen, so dass die Gefahr einer Infektion ein ernstzunehmendes Risiko darstellt. Darum ist Hygiene auch oberstes Gebot – wie eigentlich immer.“

Trotz Gregs einigermaßen beängstigender Aussage folgte Elena den Vorbereitungen mit augenscheinlichem Gleichmut. Jetzt, da ihr Entschluss ein für allemal feststand, waren wie durch ein Wunder all die widerstreitenden Stimmen in ihrem Kopf verstummt; außerdem vertraute sie Gregs Können. Sie musste nur noch die ihr bevorstehenden Qualen ertragen; etwas, worin sie es zuletzt zu beträchtlicher Kunstfertigkeit gebracht hatte. Sie lehnte sich zurück, schloss die Augen und überließ sich dem exquisiten Kitzel ihrer rasenden Erregung, die von der jederzeit spürbaren Präsenz der schweren Stahlreifen um ihren Hals und ihre Gelenke sowie dem gelegentlichen, ziehenden Schmerz, mit dem sich ihr restlicher Körperschmuck bemerkbar machte, zusätzlich angeheizt wurde.

Gregs Erklärungen bildeten das Hintergrundrauschen zu ihrem Trance-ähnlichen Zustand masochistischer Wonne.

„Nachdem Lisa die Zielregion gründlich desinfiziert hat, wird sie jetzt die Schablone mit dem Entwurf für die Sklavenmarkierung auf Elenas Haut übertragen.“

Als Lisa die Transferfolie wieder entfernt hatte, schaute Elena schnell an sich herab, um einen flüchtigen Blick von schräg oben auf ein - sich in violetter Farbe auf ihrer Haut abzeichnendes - Emblem zu erhaschen. Sie brauchte ein paar Sekunden, bis sie es als geeignet vereinfachte Version des Wappenschilds erkannte, das sie bereits einige von Viktors Besitztümern hatte zieren sehen. Zu ihrer Erleichterung schätzte sie den visuellen Gesamteindruck der Markierung als eher elegant denn eklatant ein, soweit eine solche Aussage bei etwas so Extremem wie einem Brandzeichen überhaupt Sinn machte.  

Greg tauschte mit Lisa die Plätze und vergewisserte sich, dass die Vorlage fehlerfrei auf Elenas Brustkorb übertragen worden war, dann setzte er seine Vorlesung für die gebannte Zuhörerschaft fort. Die anwesenden Doms hatten die Enttäuschung ihrer Fantasien, Elena für sich selbst beanspruchen zu können, zwischenzeitlich offenbar verwunden und trösteten sich damit, sich an ihrem Martyrium zu ergötzen.

„Als nächstes werde ich mit der eigentlichen Skarifizierung beginnen. Aus hygienischen Gründen und wegen des beißenden Geruchs ist es keine gute Idee, die verdampfende Haut einzuatmen, daher müssen wir zuerst Atemmasken anlegen. Zu ihrem Schutz wird Alex die Lüftung einschalten.“

Greg setzte eine Halbmaske auf und übergab eine weitere an Elena, die sie dankbar entgegen nahm. Das Risiko, dass ihr vom Gestank ihrer eigenen, verbrannten Haut übel wurde, wollte sie nach Möglichkeit vermeiden.

„Mach dich bereit. Das wird jetzt ein wenig weh tun“, warnte sie Greg mit von der Maske gedämpfter, leiser Stimme.

Er schaltete das Elektro-Chirurgiegerät ein, nahm das Handstück auf und beugte sich über Elenas Brustkorb. Sie zwang sich dazu, langsame und tiefe Atemzüge zu nehmen, in dem vergeblichen Versuch, ihre flatternden Nerven zu beruhigen. Dann ging es los.

Mit schnellen und sicheren Handbewegungen zeichnete Greg das auf ihre Haut übertragene Design nach. Er führte das Handstück in knappem Abstand über Elenas Körper, ohne ihn direkt zu berühren, aber ein gleißend heller, elektrischer Funke verband die Metallspitze der Aktivelektrode mit ihrer Haut und ließ eine dünne, schwarze Linie verkohlten Fleisches zurück. Der begleitende Schmerz war schneidend und furchtbar, dauerte aber glücklicherweise nur für den Bruchteil einer Sekunde an, bevor er zu einem dumpfen Pochen abebbte. Ihre Hände umklammerte die Armlehnen so fest, dass die Sehnen deutlich aus ihren Unterarmen hervorstanden und gegen die Unnachgiebigkeit der sie umschließenden Metallfesseln ankämpften. Elenas vorherige Erregung hatte sich mit Einsetzen des Schmerzes ebenso augenblicklich wie ihre Haut verflüchtigt und jetzt formten sich Schweißperlen auf ihrer Stirn, brannten in ihren Augen. Ihr Atem zischte stoßweise durch ihre zusammengebissenen Zähne und hallte in der Enge ihrer Maske nach. Elena brachte es nicht über sich, dabei zuzusehen, wie der brillante Lichtbogen unauslöschliche Narben in ihre vorher makellose Haut grub, sondern fokussierte ihren Blick auf Gregs hochkonzentriertes Gesicht, wobei sie ein Quantum Trost aus seiner offenkundigen Kompetenz und Gewissenhaftigkeit schöpfte. Sie wusste, dass ihr Brandzeichen als Ergebnis seiner Arbeit - wenn er denn endlich fertig war - praktisch garantiert perfekt ausfallen würde.

Die Tortur dauerte an und an, lediglich von kurzen Pausen unterbrochen, wenn er kurz inne hielt, um dann mit einem anderen Segment des Brandmals weiterzumachen und jedes Mal wiederholte Elena ihren wehmütigen Wunsch, dass Viktors Sippe sich lieber mit einem anderen, weniger aufwendigen Wappen hätte zufrieden geben sollen. Sie war am Ende ihres Durchhaltevermögens angelangt, als Greg sich endlich aufrichtete und den leise summenden HF-Generator ausschaltete. Er zog sich die Maske vom Gesicht und gönnte ihr eines seiner seltenen Lächeln.

„Es ist vollbracht“, erklärte er ihre Qualen für beendet, woraufhin das Publikum in spontanen Applaus ausbrach. Greg wartete ab, bis sich der Lärm gelegt hatte, dann fuhr er fort.

„Von heute bis ans Ende deiner Tage wirst du Viktors Zeichen tragen. Er sollte besser sehr stolz auf seine neue Sklavin sein. Ich weiß nicht, wie du es anstellst, aber du bist einmal mehr außerordentlich tapfer gewesen!“ Er sprach mit besonderer Emphase, so als ob seine Worte mehr als nur wohlverdientes Lob für ihren Stoizismus transportieren sollten.

Elena entspannte langsam den verkrampften Kiefer und löste ihre Hände von den Armlehnen des Stuhls, dann streifte sie mit einem erschöpften Seufzer die Maske von ihrem verschwitzten Gesicht und ließ sie zu Boden fallen. Ihre Brust pochte mit einem dumpfen, ziehenden Schmerz, der sich mit jeder Bewegung ihrer Arme vervielfachte. Davon nahm sie allerdings kaum Notiz; Gregs mahnende wie bewundernde Worte hallten noch in ihrem Kopf nach und erfüllten sie mit dem Wunder und Schrecken ihres neuen Status. Sie war zugleich am Ende ihrer Mission und ihrer Kräfte angelangt. Alle ihre Gedanken und Hoffnungen waren seit so langer Zeit ausschließlich auf dieses eine Ziel gerichtet gewesen, so dass sie sich jetzt, wo sie es endlich erreicht hatte, unverhofft etwas verloren vorkam. Obwohl sie von dem Bewusstsein, ihre finale Prüfung erfolgreich hinter sich gebracht zu haben, durchdrungen war, konnte sie dennoch keinen Moment innerer Ruhe und Zufriedenheit genießen, sondern fand sich immer noch von einem drängenden Verlangen verzehrt, das sie weder verstand noch zu stillen wusste.

Plötzlich fühlte sie eine Hand auf ihrer Schulter.

„Der Trick ist, Dr. Lowry, sich nichts aus dem Schmerz zu machen. Elena ist außerordentlich gut darin“, erklang eine vertraute Stimme in ihrem Rücken und ihr Herz setzte für einen Schlag aus.

Elena ließ ihren Kopf herumschnellen und blickte auf. Die Welt schien einen Satz zur Seite zu machen, als Viktor neben sie trat. Er musste den Raum durch eine Tür hinter der Bühne betreten haben, während sie noch damit beschäftigt gewesen war, den Schmerz ihrer Brandmarkung auszuhalten. Jetzt verschlang sie ihn gierig mit ihren Augen, ganz so wie ein Verdurstender in der Wüste auf den Anblick einer Oase reagieren würde, und machte sich eilig wieder mit seinen unvergessenen Gesichtszügen vertraut.

Da waren die hohe Stirn und die Adlernase, das markante Kinn und der entschlossene Mund, der jetzt zu einem dünnen Lächeln verzogen war, das seine eisblauen Augen allerdings nicht erreichte. Vielleicht zeigte sich in seinem dunklen Haar etwas mehr grau als in ihrer Erinnerung, aber ansonsten hätte er direkt einem ihrer vielen Träume von ihm entstiegen sein können (wobei man sich zugegebenermaßen auch noch den tadellosen, anthrazitfarbenen Anzug wegdenken musste, der so gar nichts mit der schimmernden Rüstung eines Ritters gemein hatte). Am wichtigsten jedoch war, dass er noch immer die seltene Kombination von Stärke und Entschlossenheit ausstrahlte, die bei ihr immer reflexartig vorbehaltlose Unterordnung ausgelöst hatte. Elenas Puls beschleunigte sich, als unwillkürlich Erinnerungen an die masochistischen Wonnen, die sie ihm ausgeliefert erlebt hatte, aus der Tiefe ihres Gedächtnisses aufstiegen und die Gegenwart in den Hintergrund drängten.

Sie blieb in ihre sehnsüchtigen Betrachtung von Viktor versunken, bis Lisa sich über sie beugte und anfing, ihre frischen Brandwunden mit einer antibiotischen Salbe zu behandeln, und sie dann mit einer sterilen Kompresse abdeckte, die von Klebestreifen gehalten wurde. Unsanft aus ihren Tagträumen gerissen, stellte Elena eine beunruhigende Diskrepanz zwischen der Vorstellung, die sie sich von ihrem Wiedersehen mit Viktor gemacht hatte, und der tatsächlichen Realität fest. Zum Beispiel begrüßte er sie nicht mit einem leidenschaftlichen Kuss; stattdessen war sein kühler Blick, mit dem er die äußeren Zeichen ihrer Versklavung begutachtete, die sie um seinetwillen trug, nur geschäftsmäßig zu nennen. Sie sehnte sich nach einem Zeichen seiner Zuneigung, aber er machte keinerlei Anstalten, diese Sehnsucht zu stillen.

Natürlich hatte Elena – wie sie einsah - als seine Sklavin keinerlei Anrecht auf Viktors Liebe. Als seine Sklavin hatte seine Lust ihre einzige Sorge, ihr eigentlicher Lebenszweck zu sein - und nicht ihre eigenen, belanglosen Bedürfnisse. Paradoxerweise war diese totale Unterwerfung unter seine Herrschaft, die an vorsätzliche Selbstaufgabe grenzte, aber gerade ihr vordringlichstes Bedürfnis. Ohne sie – das hatte sie auf schmerzliche Weise erfahren müssen - würde sie in ihrem Leben niemals Hoffnung auf Erfüllung haben. Die Art, wie Viktor sie jetzt behandelte, war ihrem selbst gewählten Zustand der Sklaverei nur angemessen: das musste sie zugeben. Unerklärlicherweise fühlte sich Elena trotzdem niedergeschlagen.

Sie versuchte aufzustehen, aber die Hand auf ihrer Schulter zwang sie mühelos wieder zurück auf ihren Platz.

„Warte!“, befahl Viktor und zog ein flaches, schwarzes Lederetui aus der Jackentasche. „Da ist noch eine Sache.“

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absolutist
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Kommentare

Bild von Bianca

Wunderschön...

...hast Du beschrieben, wie eine Sklavin empfindet, die sich, getragen auch durch Selbstzweifel, komplett in die Hände Ihres Meister begibt oder begeben hat und ihm zuliebe auch Schmerzen erträgt, die entstehen, wenn man sich Geistig wie Körperlich komplett so bindet - und verändern und schulen läßt.

Danke dafür. Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Teil :-)

Bild von absolutist

Es freut mich,

dass Du der Beschreibung von Elenas Gedanken eine gewisse Plausibilität zubilligst. Andere Wissenslücken habe ich versucht, mit Wikipedia et al. zu schließen, bei diesem (zentralen!) Aspekt der Geschichte habe ich mich aber auf dünnes Eis gewagt. Um so erfreulicher, dass ich dabei – zumindest Deiner Einschätzung nach – nicht eingebrochen bin. Vielen Dank!

Bild von Chris Dell

Gar nicht einfach ...

... in diesen Gaga-Tagen in den Ernsthaftigkeitsmodus umzuschalten und dann auch noch den Blick für den Unterschied zwischen Wahnsinn und brillant formulierter, emotional und dramaturgisch mitreißender Fantasie mit feinen Zwischentönen in einer allzu leicht (und der Story nicht gerecht werdend) als "technisch" anzusehenden Handlung zu wahren. In der Hoffnung, dass Aktion und Reaktion(en) gleichermaßen "nur" Ausdruck frei gedachter und empfundener Sehnsüchte bleiben, finde ich auch dieses Stückchen Geschichte meisterhaft. Mit einer Verbeugung vor Sprach- und Erzählkunst des Autors begleite ich dieses Kapitel (natürlich) höchstmöglich wertend.

Bild von absolutist

Ist's auch Wahnsinn,

so hat es doch Methode ;-) Aber auch wenn ich mich beim Fabulieren um einen gewissen Realismus bemühe, sehe ich keine Gefahr, dass selbst ein von Glühweinduft und Weihnachtswahn benebelter Leser dieses Fetisch-Märchen mit der Realität verwechseln könnte. Aber vielleicht habe ich die in Deinem Kommentar formulierte Hoffnung auch nur falsch interpretiert...

Bild von Raale

Spannend bis zum Schluss

Du machst es wirklich spannend bis zum letzten Augenblick. Ich bin voll und ganz in dieser Geschichte und erwarte sehnsüchtig den Abschluss. Super geschrieben.

Bild von absolutist

Danke

für das anhaltende Interesse an der Geschichte. Ich hatte schon beinahe befürchtet, Dich mit den zugegebenermaßen langwierigen Beschreibungen der vorhergehenden Teile vergrault zu haben. Um so mehr freut mich, dass ich offenbar sogar für eine gewisse Spannung sorgen konnte...

Bild von nachthimmel

Schön ...

... das endlich mal der große Unbekannte die Bühne betritt! Doch das nur am Rande...

Nachdem Du Dich ja in den letzten Teilen ausgiebig in der Metallwarenabteilung des Baumarktes ausgetobt hast, muss Elena jetzt ja wirklich eine martialische Behandlung über sich ergehen lassen. Ich musste den Begriff Skarifizierung auch erstmal googlen und ich muss sagen, mir gruselt es beim bloßen Gedanken davor! Eine Skarifizierung vereint ja die Verletzungen eines Brandings mit der Schmerzdauer eines Tattoos - ich bezweifle, dass Elena das so ruhig über sich ergehen lässt. Zumindest nicht, ohne eine gute Dröhnung Tilidin oder Oxycodon.

Da ist mir ein gutes altes Branding, wie Chris Dell es beschrieben hat, allemal lieber - ein kurzer schlimmer Schmerz und dann ist es auch glücklicherweise schon wieder vorbei. Tätowieren ist zwar auch schmerzhaft, jedoch ist das Ergebnis weitaus kunstvoller, weil filigraner. 

Trotzdem war auch dieser Teil wieder hervorragend beschrieben und ich bin gespannt, was Viktor aus seinem schwarzen Etui zaubert! Ich kann mir so gar nicht vorstellen, dass es etwas so normales wie ein Ring sein könnte...

Ich hätte jedoch noch eine Bitte: Raale kann doch so wundervoll zeichnen, könnte sie nicht ein Bild von der 'fertigen' Elena zeichen? Nur damit ich weiss, ob ich alle Veränderungen auch richtig verstanden habe?!

LG, nachthimmel



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